Octave Joly

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Octave Joly (* 5.5.1910 in Momignies; † 7.6.1988 in Brüssel) war ein belgischer Journalist, Autor und Szenarist von Comics mit geschichtlichem Hintergrund. Am bekanntesten ist er für seine zahllosen Szenarios zur Serie Onkel Paul, die von den 50er bis 70er Jahren fester Bestandteil des Spirou-Magazins war.

Seine ersten Artikel veröffentlichte Joly 1930 in der französischen Wochenzeitung Ciné-Miroir. 1931/32 leitete er die monatliche Illustrierte À travers le monde und verfasste für die Tageszeitung Le Soir mit "La dernière croisière du navire-école belge" seine erste große Titelstory. Nach Absolvierung des Wehrdienstes war er zwischen 1934 und 1939 Redaktionsassistent und Umbruchredakteur bei der belgischen Wochenzeitung L'opinion publique und veröffentlichte nebenbei einige Reportagen und Geschichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst 1945 stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung L'informateur-midi, schrieb anschließend Werbespots für Radio Luxembourg und fand sich 1947 als Drehbuchautor im Filmstudio von Claude Misonne (bekannt für die Puppenfilm-Adaption von "Die Krabbe mit den goldenen Scheren") wieder. Zwischen 1949 und 1955 war er bei der Agentur Vandam-K.H. Autor von über fünfhundert Werbe-Kurzfilmen für Kinos.

Durch den Comic-Zeichner René Follet machte Joly 1951 die Bekanntschaft von Jean-Michel Charlier. Dieser arbeitete zu der Zeit als Autor für die Comic-Agentur World Press und hatte in Spirou gerade Les Belles histoires de l'Oncle Paul (dt. Onkel Paul bei Kauka bzw. Onkel Jo erzählt in Felix) gestartet, eine Serie realistisch gezeichneter, meist 4-seitiger didaktischer Comics über historische Ereignisse. Der überarbeitete "Allesschreiber" Charlier träumte damals von einer Karriere als Pilot bei der staatlichen belgischen Fluggesellschaft Sabena und war nur allzu gern dazu bereit, Joly mit der neuen Serie zu betrauen. "Comment naquit la Marseillaise", gezeichnet von Dino Attanasio und erschienen am 9. August 1951 in Spirou, war der erste von Joly geschriebene Oncle Paul, dem er in rund dreißig Jahren mehr als 1100 folgen ließ. Dabei arbeitete er im Laufe der Jahre mit zahlreichen namhaften Künstlern wie Eddy Paape, Victor Hubinon, MiTacq, Jean Graton, René Follet, Gérald Forton, Fred und Liliane Funcken, Juan Manuel Cicuéndez und vielen anderen zusammen. Ab 1955 widmete er sich ausschließlich seiner Tätigkeit als Comicszenarist für historische Stoffe.

Parallel zu Onkel Paul schrieb Joly auch mehrere Dutzend Episoden der Serie L'Histoire Vivante für das Dupuis'sche Frauenmagazin Bonnes soirées. Zudem war er Autor einiger albenfüllender (wenn auch nur selten als Album erschienener) Comic-Biographien: Marco Polo (mit Albert Uderzo, abgelöst von Pierre Dupuis, erschienen 1952-54 in La Libre Junior), Stanley (mit Victor Hubinon, erschienen 1953/54 in Spirou), Winston Churchill (mit Eddy Paape, 1958/59 in Spirou), abermals Marco Polo (diesmal mit Pierre Ramboux und Charlier, 1964 in Spirou) und, offenbar unter dem Pseudonym Marcillac, Léonard de Vinci (mit Jean-Claude Pascal, 1971 in Spirou). 1955 schuf er mit Uderzo die Serie Tom et Nelly für die kurzlebige Dupuis-Publikation Risque-tout, die er mit José Bielsa bis 1958 in Spirou weiterführte. Ab der zweiten Hälfte der 70er Jahre ließ es Joly etwas ruhiger angehen und ersetzte schließlich 1980 die Oncle Paul-Episoden durch eine etwas abgespeckte Version: Unter dem Titel Histoire en mille morceaux erschienen bis 1982 ca. 50 Einseiter mit dem altbekannten Pfeifenraucher, die allesamt von dem Zeichner Doughty umgesetzt wurden.

Joly bei Kauka

  • Onkel Paul - (Les Belles histoires de l') Oncle Paul


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