Gabriel Nemeth

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Selbstbildnis des Künstlers

Gabriel Nemeth (* 9. Juni 1957) ist ein deutscher Comic-Zeichner und Illustrator.

Von 1974 bis 1977 studierte er Graphik-Design in München. 1978 war er Mitbegründer des Comic-Magazins Zomix, neben Hinz & Kunz aus Frankfurt einem der ersten Comic-Magazine von deutschen Zeichnern, in dem z.B. auch Ralf König seine allererste Comic-Seite veröffentlichte. Nach einem längeren USA-Aufenthalt, während dem er u.a. auch mit Robert Crumb Kontakt hatte, ließ sich Nemeth wieder in München nieder. Seit 1980 arbeitet er als freiberuflicher Illustrator und Texter für diverse Verlage und Agenturen in sehr unterschiedlichen Richtungen.

Zu seinen ersten professionellen Comic-Arbeiten, die er noch unter seinem damaligen Spitznamen "Tschap" veröffentlichte, gehörte die Serie Quer-Comics in der Rotfuchs-Reihe des Rowohlt-Verlages. In Zusammenarbeit mit Texter Wolfgang Wimmer erschienen hier 1983/84 insgesamt 3 Bände zu den Themen "Sklaven", "Rüstung" und "Moneymaker". Völlig anders geartet waren seine Arbeiten, die zur gleichen Zeit für die Satire-Zeitschrift Pardon oder den Semmel-Verlach (Tschaps änd Downs) entstanden.

Seit Mitte der 80er Jahre beschäftigt sich Nemeth zum großen Teil mit dem Bearbeiten von Kinder-Büchern und -Comics. So war er u.a. an der Serie Chip & Charly des Ravensburger Otto Maier-Verlags sowie an diversen Werbe-Comics für Kinder beteiligt. Zu Chip & Charly entstanden 1990 26 Trickfilm-Folgen, die in einer deutsch-französisch-spanischen Koproduktion verfilmt wurden und heute weltweit in Kinderkanälen laufen.

Zwischendurch textete Nemeth immer wieder Satire für Erwachsene, z.B. 1988 die Serie Hausmeister Zwetschke für das Magazin Moxxito des Carlsen-Verlags, deren 6 Folgen von Jan Gulbransson zeichnerisch umgesetzt wurden. Mit dem Donald Duck–Zeichner Gulbransson, für den er auch einige Donald-Stories tuschte und textete, arbeitet Nemeth bereits seit 1985 zusammen.

1993 und 1994 veröffentlichte der Alpha-Verlag die beiden Nemeth-Alben "Liebesgeflüster" und "Seitensprünge", deren Hauptfiguren Fredi und Carla ursprünglich in den U-Comix beheimatet waren. Die beiden haben es in ihren diversen Beziehungsgeschichten nicht immer leicht miteinander, aber Carla kriegt als erfolgreiche Werbemanagerin ihren stubenhockenden Schriftsteller Fredi letztendlich doch immer wieder auf die Reihe. Die Fredi & Carla-Stories fanden ein begeistertes, zumeist weibliches Publikum und wurden in Auszügen auch im italienischen Magazin Humor abgedruckt (Comic-Art).

Basierend auf den Themen dieser Serie entwickelte Nemeth für das Anti-Aids-Projekt "Liebes Leben" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch ein Comic-Konzept für Jugendliche. Seitdem tourt "Suzi, das Kondom" als Bestandteil einer Wanderausstellung durch Deutschland und macht regelmäßig "einen drauf".

Ebenfalls Aufklärung, allerdings ganz anderer Art, bietet die Kinder-Education-Comic-Serie Willi Wurm und seine Freunde, die Nemeth seit 1994 zusammen mit seinem Kollegen Jan Gulbransson für das Apotheken-Magazin Medizini textet und tuscht. Die Serie hat es bereits auf über 100 Folgen gebracht und wird auch zunehmend von Lehrern im Unterricht zur witzigen Veranschaulichung von Sachverhalten verwendet. Nemeth gelingt das textliche Kunststück, selbst trockene Themen wie Kompostierung oder Recycling so aufzubereiten, dass Kindern der Education-Charakter der Stories überhaupt nicht mehr auffällt. Die Geschichten von Willi & Co. werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz Monat für Monat von rund 2 Millionen Kindern mit wachsender Begeisterung gelesen; nach einer letzten Umfrage sind die Figuren 70% aller deutschsprachigen Kinder bekannt.

1996 wurde Nemeth von André Roche, dem Urheber der "Happy Hippos", mit einer kniffligen Aufgabe betraut: In die Kinderüberraschungseier sollten für die Firma Ferrero Mini-Comic-Bücher platziert werden, die auf 64 Seiten in Briefmarkengröße (25 x 35 mm) in sich abgeschlossenene Stories zu den jeweiligen Figurengruppen "Dappsy Dinos", "Happy Hippos" etc. erzählen - "der wahrscheinlich kleinste Comic der Welt", wie es die Fachzeitschrift Rrraah! nannte. Die Vorgabe von Ferrero lautete außerdem, dass im ersten Band dieser Mini-Comics die Geschichte dreier Generationen Dinos, also insgesamt von 30 verschiedenen Figuren, abgehandelt werden sollte. Nach einem Monat Gedankenarbeit und zahlreichen verworfenen Sujets hatte Nemeth die erste Story fertiggeplant und -getextet und alle Figuren der Dino-Serien darin untergebracht. Insgesamt sind drei der unter Ü-Ei-Sammlern heiß begehrten Mini-Comics mit Dinos und Hippos in seiner Texter-Werkstatt entstanden. Die Zeichnungen dazu steuerten Ex-Kauka-Zeichner Florian Julino und der von Nemeths Arbeit begeisterte André Roche bei.

Während sich Nemeths Produktionen in der Regel grob in die Stil-Richtungen Funny (Tierfiguren) und Semi-Funny (halbrealistische Menschenfiguren) einordnen lassen, fallen seine malerischen Zeichnungen für den belletristischen Buchbereich völlig aus dem Rahmen. In diesem Stil entstanden z.B. 1997 diverse Illustrationen für den satirischen SF-Roman "G.A.S. - Die Trilogie der Stadtwerke" des amerikanischen Autors Matt Ruff (verlegt bei Hanser) - Startschuss für eine ganze Reihe untypischer Nemeths, unter anderem für den DTV-Taschenbuchverlag.

2004 arbeitete Gabriel Nemeth für das Werbeheft Fix & Foxi und der Raketenblitz, das anlässlich der Eröffnung der Raketenbahn im Ravensburger Spieleland verteilt wurde, abermals mit seinem Freund Florian Julino zusammen. 2007 siedelte er vorübergehend von München nach Wien über. Dort half er Gerhard Förster, das traditionsreiche Comic-Sekundärmagazin Die Sprechblase wiederzubeleben, bei dem er bis zu seinem Ausstieg im März 2009 für Grafik und Bildbearbeitung zuständig war.

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